Kinder und Angeln

Durchforsten Sie diese Internetseite oder auch die des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg werden Sie feststellen, dass wir uns immer wieder mit der Frage beschäftigen ab wann und wie man Kinder an das Angeln heranführen kann.

Für uns nimmt diese Frage einen zentralen Punkt in der Verbandspolitik ein, und obwohl das Thema äußerst kontrovers diskutiert wird, vertreten wir – wie der Großteil aller Angler in Deutschland – eine klare Position: Kinder profitieren in vielerlei Hinsicht davon, wenn sie früh mit dem Angeln beginnen.

Im Folgenden möchten wir gern kurz auf die Hintergründe dieser Einschätzung eingehen.

Angeln ist ein „analoger“ Ausgleich zu einer digitalen Entwicklung. 

In einer Welt, in der die Zukunftschancen unserer Kinder maßgeblich von ihren Fertigkeiten abhängen, digitale Medien zu beherrschen, bleiben viele Aspekte des „echten Lebens“ auf der Strecke.
Das Erleben der Natur weicht Schritt für Schritt dem Erleben einer virtuellen Welt vor dem Computer, dem Tablet, dem Smartphone oder dem Fernseher.

Der (beaufsichtigte) Aufenthalt am Wasser wirkt dieser Naturentfremdung entgegen, er erfordert eine ganzheitliche Wahrnehmung von sich selbst und der Umwelt. „Draußen sein“ ist nicht nur mental, sondern auch physisch eine Herausforderung, die das Kind vor dem Fernseher nicht erleben kann.

Und hier kommt das Angeln ins Spiel 

  • Durch das Angeln erlernt das Kind ganz ohne Druck und völlig von selbst viele biologische und ökologische Zusammenhänge:
    Wie atmet ein Tier unter Wasser? Wieso ist ein Fisch so kalt wie im Sprichwort? Welcher Fisch kommt in welchem Gewässer vor? Was frisst welcher Fisch, also was für Köder benötigt man, um einen bestimmten Fisch zu fangen? An was für einem Gewässer sind die Chancen für einen Biss hoch, bei welchem Gewässerzustand sind sie praktisch ausgeschlossen? Inwieweit beeinflusst dieses Wissen die Wahl eines geeigneten Angelplatzes? Welche Fische darf man fangen, welche sind selten und geschützt? Wie groß kann welche Fischart werden? Und wie schnell wachsen Fische überhaupt? Was hat Wachstum mit Ernährung zu tun?
  • Angeln regt zur Auseinandersetzung mit der Produktion und Herkunft unserer Nahrungsmittel an:
    Woher kommt das Tier, was jeden Tag selbstverständlich auf dem Teller liegt? Was bedeutet es, dieses Tier als Nahrungsmittel zu verwenden? Welche lokalen (und auch globalen) Zusammenhänge hat der Fleischkonsum? Ist es vielleicht besser, persönlich gezielt ein Tier zum Verzehr aus unserem Ökosystem zu entnehmen (wie die Fischerei und Jagd es praktizieren) als Fleisch von teils zweifelhafter Herkunft aus tausenden Kilometern Entfernung, von oft schlechter Qualität und unter tierschutzrechtlich bedenklichen Bedingungen produziert, fertig verpackt im Supermarkt zu kaufen?
  • Angeln fördert die Persönlichkeitsentwicklung:
    Das Kind entscheidet für sich, unter welchen Bedingungen es ethisch vertretbar ist, ein Tier zu töten. Es lernt, wie man ein Tier tötet und trotzdem respektvoll mit ihm umgeht. Als Angler muss das Kind geduldig und konzentriert sein. Es muss mit Frustration umgehen können. Es muss strategisch denken und handeln, aber auch im richtigen Moment von der Strategie abweichen können. Mögliche Berührungsängste vor andersartigen Dingen/Lebewesen werden abgebaut. Und wenn man kein Ekel vor einem Fisch oder einem Krebs haben muss, gibt es vielleicht auch andere, unbegründete Ängste, die man ganz nebenbei abbauen kann?
  • Angeln macht Spaß – egal in welchem Alter:
    Es ist eine spannende Beschäftigung mit sich, dem Material und der Natur, die mit immer mehr Übung immer größere Erfolgserlebnisse verspricht. Das Klischee von alten Männern, die tagsüber mit Bierflasche und Unterhemd am Teich und abends im verstaubten Vereinsheim sitzen, entspricht heutzutage weitestgehend nicht mehr der Realität. Angeln ist ein gesunder und dynamischer Sport, der die Jugend ebenso fasziniert wie die ältere Generation. Und gerade die Zusammenarbeit von Jung und Alt, die Synergie aus Erfahrung, Leidenschaft und Neugierde, hilft, das Angeln zu einer familien- und generationsfreundlichen Freizeitaktivität zu machen – und dabei noch aktiv etwas für unsere Umwelt und für sich selbst zu tun!

Zum Weiterlesen rund ums Thema: 

(Jugend)fischereischein und unser offizielles Positionspapier.